🦷 Die häufigsten Abrechnungsfehler
Und wie ihr sie sicher vermeidet
Mal ehrlich:
GOZ-Abrechnung ist im Praxisalltag kein Selbstläufer.
Zwischen Behandlungsstuhl, klingelndem Telefon und laufender Dokumentation entstehen Fehler selten aus Unwissen – sondern aus Zeitdruck. 😅
👉 Und genau hier liegt das größte Potenzial.
Denn mit ein paar klaren Routinen könnt ihr typische Abrechnungsfehler vermeiden – und sorgt dafür, dass eure Leistung auch vollständig honoriert wird. 💪
🔎 1. GOZ 2410 – Zweite Sitzung ohne Begründung
Die GOZ 2410 (Aufbereitung eines Wurzelkanals) darf in einer weiteren Sitzung nur bei anatomischen Besonderheitenerneut berechnet werden.
Typische Beispiele:
- obliterierte Wurzelkanäle
- stark gekrümmte Kanäle
- überlange Wurzeln
- sehr feine (grazile) Strukturen
👉 Wichtig:
Diese Besonderheiten müssen konkret auf der Rechnung benannt werden.
Fehler:
❌ „Fortsetzung der Aufbereitung“
Richtig:
✅ „Aufbereitung in zweiter Sitzung aufgrund stark gekrümmter und obliterierter Kanäle“
💡 Praxis-Tipp:
Legt euch eine interne Sammlung typischer Formulierungen an – spart Zeit und schafft Sicherheit.
📈 2. Steigerungsfaktor über 2,3 – falsche Begründungen
Der § 5 Abs. 2 GOZ erlaubt eine Erhöhung über den 2,3fachen Satz nur bei:
- erhöhter Schwierigkeit
- erhöhtem Zeitaufwand
- besonderen Umständen
- erschwertem Krankheitsfall
👉 Der 2,3fache Satz entspricht bereits der durchschnittlichen Leistung.
Typischer Fehler:
Begründungen, die bereits in der Leistungsbeschreibung enthalten sind.
Beispiel:
GOZ 2060 enthält bereits die Mehrschichttechnik
→ darf nicht als Begründung genutzt werden
Gute Begründung:
✅ „Erhöhter Zeitaufwand aufgrund eingeschränkter Mundöffnung und erschwerter Zugänglichkeit“
💡 Praxis-Tipp:
Fragt euch immer:
👉 „Geht das über die Standardleistung hinaus?“
🦷 3. GOZ 9100 – Komplexleistung richtig verstehen
Die GOZ 9100 (Augmentation) umfasst bereits:
👉 den Wundverschluss mit vollständiger Schleimhautabdeckung
Das bedeutet:
Leistungen wie
- GOÄ 2381 (einfache Lappenplastik)
- GOZ 3100 (plastische Deckung)
sind in der Regel enthalten, wenn sie nur dem Wundverschluss dienen.
Wann ist eine Zusatzberechnung möglich?
👉 Wenn ein anderes Behandlungsziel verfolgt wird
(z. B. Vestibulumplastik)
💡 Praxis-Tipp:
Das Behandlungsziel muss klar dokumentiert sein – sonst wird gekürzt.
💶 4. Begleitleistungen bei Mehrkostenfüllungen
Bei GKV-Patienten mit Mehrkostenvereinbarung gilt:
👉 Nur zusätzlich notwendige Leistungen dürfen privat berechnet werden.
Beispiel:
✅ GOZ 2040 (Trockenlegung) – bei Komposit notwendig
❌ Separieren mit Holzkeil – wäre auch bei Kassenfüllung erforderlich
💡 Praxis-Tipp:
👉 „Wäre das auch bei einer Kassenleistung notwendig gewesen?“
Wenn ja → nicht privat abrechnen.
🗓️ 5. GOÄ 1 – Behandlungsfall beachten
Die GOÄ 1 (Beratung) ist:
👉 nur einmal pro Behandlungsfall berechnungsfähig
Ein Behandlungsfall umfasst:
➡️ einen Zeitraum von einem Monat
Ausnahme:
👉 Neuer Behandlungsanlass innerhalb des Monats
Dann darf GOÄ 1 erneut berechnet werden –
wenn klar dokumentiert ist, warum es sich um einen neuen Fall handelt.
🚧 Typische Fehler im Überblick
❌ fehlende oder unklare Begründungen
❌ unzureichende Dokumentation
❌ falsche Kombination von Leistungen
❌ fehlende Abgrenzung bei Mehrkosten
❌ Behandlungsfälle nicht sauber getrennt
🌟 Warum das für eure Praxis entscheidend ist
Jede Kürzung bedeutet:
💶 weniger Umsatz
⏳ mehr Zeitaufwand
😕 mehr Diskussionen
👉 Sichere Abrechnung sorgt für:
✔️ weniger Rückfragen
✔️ stabile Liquidität
✔️ klarere Abläufe
✔️ entspannteres Arbeiten
🔎 Praxis-Quick-Guide
GOZ 2410 erneut berechenbar?
➡️ Ja – mit dokumentierter anatomischer Besonderheit
Faktor über 2,3 ohne Begründung?
➡️ Nein
GOZ 9100 + GOZ 3100 kombinierbar?
➡️ Nur bei unterschiedlichem Behandlungsziel
Begleitleistungen bei Mehrkostenfüllung?
➡️ Nur zusätzlich notwendige Leistungen
GOÄ 1 mehrfach im Monat?
➡️ Ja – bei neuem Behandlungsfall
💙 Fazit
GOZ-Abrechnung ist kein Minenfeld – wenn ihr die Regeln kennt.
Mit:
- klarer Dokumentation
- individuellen Begründungen
- kleinen Routinen im Alltag
👉 wird aus Unsicherheit echte Souveränität.
Und genau das macht den Unterschied:
Nicht nur fachlich stark arbeiten –
sondern auch wirtschaftlich sicher. 💪🦷
