
Die Abrechnung von Zahnersatz gehört zu den anspruchsvolleren Themen im Praxisalltag. Besonders die Unterscheidung zwischen regelartiger, gleichartiger und andersartiger Versorgung sorgt immer wieder für Unsicherheit. Dabei folgt jede Versorgungsform klaren Regeln, die sich mit dem richtigen Überblick gut einordnen lassen.
Dieser Beitrag erklärt die drei Versorgungsarten verständlich, praxisnah und abrechnungssicher – inklusive aktueller Hinweise zum Bonus- und Festzuschusssystem.
Regelversorgung: der wirtschaftliche Standard
Die Regelversorgung stellt die medizinisch ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung dar. Sie bildet die Grundlage der gesetzlichen Festzuschüsse und ist für alle gesetzlich Versicherten definiert.
Typisches Beispiel:
Fehlt ein Seitenzahn, sieht die Regelversorgung eine einfache metallische Brücke vor.
Abrechnung der Regelversorgung:
- vollständige Abrechnung über den BEMA
- die Krankenkasse gewährt einen festen Zuschuss
- der Patient trägt lediglich den verbleibenden Eigenanteil
Vorteil für die Praxis:
Die Abrechnung ist klar strukturiert, gut kalkulierbar und mit wenig Erklärungsaufwand verbunden.
Gleichartige Versorgung: Regelversorgung mit Zusatzleistungen
Bei der gleichartigen Versorgung bleibt die Regelversorgung grundsätzlich erhalten, wird jedoch durch zusätzliche Leistungen ergänzt. Häufig handelt es sich um ästhetische oder funktionale Verbesserungen.
Typisches Beispiel:
Statt einer unverblendeten Metallkrone wünscht sich der Patient eine keramisch verblendete, zahnfarbene Krone.
Abrechnung der gleichartigen Versorgung:
- der Festzuschuss der Krankenkasse für die Regelversorgung bleibt bestehen
- der Regelversorgungsanteil wird über den BEMA abgerechnet
- die zusätzlichen Leistungen erfolgen privat nach GOZ
- eine Mehrkostenvereinbarung (MKV) ist zwingend erforderlich
Vorteil für die Praxis:
Individuelle Versorgungen steigern die Patientenzufriedenheit und ermöglichen eine leistungsgerechte Vergütung.
Andersartige Versorgung: die alternative Therapie
Die andersartige Versorgung unterscheidet sich grundlegend von der vorgesehenen Regelversorgung. Es handelt sich um eine vollständig andere Behandlungsform, meist mit höherem technischen und finanziellen Aufwand.
Typisches Beispiel:
Anstelle einer metallischen Brücke entscheidet sich der Patient für eine implantatgetragene Versorgung.
Abrechnung der andersartigen Versorgung:
- die gesamte Behandlung wird privat nach GOZ abgerechnet
- der Patient erhält dennoch den Festzuschuss der Krankenkasse, bezogen auf die Regelversorgung
- eine transparente Aufklärung und schriftliche Vereinbarung sind unerlässlich
Vorteil für die Praxis:
Hochwertige Versorgungen stärken das fachliche Profil der Praxis und ermöglichen individuelle Therapiekonzepte.
Festzuschüsse und Bonusheft: aktueller Stand
Das Bonus- und Festzuschusssystem bleibt weiterhin ein zentraler Bestandteil der Zahnersatzabrechnung.
Aktuelle Regelungen:
- der Grundfestzuschuss beträgt 60 % der durchschnittlichen Kosten der Regelversorgung
- bei lückenlos geführtem Bonusheft über 5 Jahre erhöht sich der Zuschuss auf 70 %
- bei 10 Jahren Bonusheft steigt der Zuschuss auf 75 %
- das Bonusheft besteht weiterhin und wurde nicht abgeschafft
Eine korrekte Bonusdokumentation kann für Patienten einen erheblichen finanziellen Unterschied machen.
Beratungssicherheit schafft Vertrauen
Eine klare Einordnung der Versorgungsart ist nicht nur abrechnungstechnisch wichtig, sondern auch für die Patientenkommunikation. Wer die Unterschiede verständlich erklären kann, reduziert Rückfragen und schafft Sicherheit in der Entscheidungsfindung.
Viele Praxen arbeiten erfolgreich mit:
- internen Übersichten oder Spickzetteln
- kurzen Team-Updates zu ZE-Themen
- standardisierten Beratungsabläufen
Fazit: Klarheit ist der Schlüssel zur sicheren Zahnersatzabrechnung
Ob regel-, gleich- oder andersartige Versorgung – jede Versorgungsform folgt klaren Regeln. Mit fundiertem Wissen lassen sich Behandlungsoptionen sicher einordnen, korrekt abrechnen und transparent kommunizieren.
Eine strukturierte Vorgehensweise sorgt für Sicherheit im Team, Vertrauen bei den Patienten und eine stabile Abrechnung im Praxisalltag.
